HISTORIE - 1125 Jahre Oespel  

 
 1125 Jahre Oespel - die Chronik unseres Ortes

1125 Jahre Oespel - d.h. die älteste urkundliche Erwähnung Oespels datiert aus dem Jahre 882. Aber eigentlich, so beweisen es urzeitliche Funde, ist die Ansiedlung des Gebietes in und um Oespel wesentlich älter.

1125 Jahre Oespel

Eine erste Besiedlung des Oespeler Ortsgebietes lässt sich auf die Bronzezeit datieren. Nach dem zweiten Weltkrieg wurden auf einem Feld zunächst einige Urnengräber entdeckt, die aus der Zeit von etwa 1500 bis 800 v. Chr. stammen. Bei neuerlichen Grabungen im Jahre 1991 wurden schließlich insgesamt 28 Hügelgräber nachgewiesen, in denen sich Verbrennungsreste in Urnen sowie vereinzelt Grabbeigaben fanden. Es kann nicht gesagt werden, wo sich die zu diesem Friedhof gehörige Siedlung befunden hat und wer die Bewohner waren, die ungewöhnliche Größe der Gräber deutet aber auf eine besondere Stellung dieses Friedhofs hin. Bei den Grabbeigaben wurde eine kleine Kugel aus Eisenblech gefunden. Es handelt sich dabei um den ältesten Eisenfund im Ruhrgebiet. Man nimmt an, dass die Kugel über den Hellweg in diese Gegend gekommen ist, da die Eisengewinnung hier noch unbekannt war.

Die heutige Gemarkung Oespel ist wesentlich jüngeren Datums. Im Heberegister (Urbar) des Klosters Werden (damals unter Liudgerer-Abt Hildgrim II.) finden sich Dokumente, die für das Jahr 882 eine Bauernschaft als "uilla Tospelli" belegen, in dem Tidbald von einer ganzen Hufe (= Hof) je 24 Scheffel Gerste und Roggen, zwei Scheffel Mehl, ein Huhn und acht Pfennig Heerschilling abliefern musste und ihm Herbergspflicht für Klosterbeamte oblag, sowie Sebrath, der den dritten Teil einer Hufe gepachtet hatte und dafür dem Kloster zehn Scheffel Gerste und ebenfalls acht Pfennig Heerschilling entrichten musste.
Andere überlieferte Namensformen sind Tospelli, Tospele, Tospelle, Tuspell, Tospel. Die vermutliche Bedeutung stammt von tho + spel oder tho + spelen als "zum Spiel" oder "zur Gemeinschaft" (Kirchspiel) gehörig. So suchten die Bewohner Schutz bei einer bestehenden Gemeinschaft in unsicheren Zeiten.
Oespel liegt am Südrand der Westfälischen Bucht im Übergangsgebiet an der Nordabdachung des Stockumer Rückens, eines Teils des Ardeygebirges.

Durch die strategisch brisante Lage zwischen zwei Heerstraßen, dem Hellweg im Norden und dem Ardey-Höhenweg im Süden vor den Mauern der freien Reichsstadt Dortmund, geriet Oespel mehrfach zwischen die Fronten von Kriegen und Politik.
So erstmalig im Jahre 938 als Kaiser Otto I. (der Große) seinen "Konflikt" um die Burg Dortmund gegen seinen Bruder Heinrich II. austrug. Oespel gehörte zu der Zeit zum Herzogtum Sachsen.
Als im Jahre 1160 Kaiser Friedrich Barbarossa dem Welfen Heinrich dem Löwen die Lehen des Herzogtums entzog, wurde das Gebiet zur Grafschaft Mark unter Verwaltung des Erzbistums Köln, von dem man sich in der Schlacht von Worringen am 5.6.1288 abspaltete.
In den Jahren 1315/16 starb ein großer Teil der Bevölkerung an der "caristia Maxima", der größten Hungersnot im Mittelalter. Der nächste geschichtliche Beleg ist vom 11. Mai 1357, als ein Gobele, Vrygrafe van Lymburg mit seiner Gemahlin Cunigund in Oespel ansiedelte und somit dieses Gebiet dem Rechtsanspruch der Grafschaft Limburg (dem heutigen Hagen-Hohenlimburg) unterordnete. Seiner Präsenz verdanken wir unser Wappen, dem "Oespeler Schragen", das ursprünglich den Bügelhelm des Gobele mit rot-silberner Helmdecke und Helmwulst, sowie sein Schild mit zwei schräggekreuzten, silbernen Heugabeln auf rotem Grund darstellt.

Wappen von Oespel

Vermutlich war Cunigund eine Tochter des Dorfes, die sich einen Gemahl von außerhalb nahm, da um 1351 der "Schwarze Tod" (Pest) den überwiegenden Teil der Einwohner des Gebietes stark dezimierte. In einem Brief im Archiv Witten wird Gobele "de tho Tospele wohnet" 1362 erwähnt, dass er gegenüber Hermann von Witten, Gerdes Sohn, einen Verkauf tätigte. Dieser "Gobele de Tospele" hatte im Jahre 1367 den Freyenstuhl zu Baukum als Vrygraf inne, d.h. er erwarb beim Oberamt Bochum die Gerichtsbarkeit (Freistuhl) für das von ihm verwaltete Gebiet (Dörfer, Marken und Flure). Zwar sind Gebietsausdehnung, Ort und Einzelheiten des Oespeler Freistuhls leider nicht überliefert, aber dem Freigrafen standen unter den sieben Freischöffen zwei zur Seite, deren Namen bekannt sind: Grewe und Brinkholt.

1380 gehörten zum Gut "up dem Myddeldorpe" außer Äckern noch "veyr unde twentich schare holtes in de Ovessen und achteynde halve schare holte in de mark Tospele". Schare waren das Anrecht auf eine gewisse Menge Brennholz und das Recht eine bestimmte Anzahl Schweine zur Mast in die Mark zu treiben (Ovesse = Waldgebiet an der Oeverscheidt, mark Tospele = heute das Gebiet zwische Markenwaldweg und Borussiastraße). Der Dorneywald war in Marken aufgeteilt und hatte einen sehr alten Laubbaumbestand aus Buchen und Eichen, vereinzelt auch Ahorn und Linden. Er dehnte sich etwa bis an die heutige Borussiastraße aus. Wald und Heide waren Eigentum der Bauern und wurden zum Holzeinschlag und zur Viehweide (Schweine) genutzt. Durch die "Suorgestrote" (heute Pestalozzistraße) führte "Schweens Karl" das Oespeler Borstenvieh zur "Hude" in den Dorney. Am "Muttenohr" (heute Parkplatz der S-Bahn-Haltestelle Oespel) war der Versammlungsplatz der Herde

Die Spur des Gobele de Tospele verliert sich um den Zeitraum der Dortmunder Fehde (21.2.1388 - 20.11.1389), einer kriegerischen Belagerung der Grafen von der Mark, auf deren Seite er als Ritter verpflichtet war, gegenüber der freien Reichsstadt Dortmund. Während der Dortmunder Fehde wurde der Ort am 19.7.1388, einem Sonntag, von den Dortmunder Soldaten überfallen (vermutlich ist er in diesem Scharmützel gefallen).

Nach der Vereinigung der Grafschaft Mark mit dem Herzogtum Kleve 1394 gab es immer wieder Auseinandersetzungen und Bruderkriege. In diese Zeit fällt auch die wohl traurigste Aufzeichnung der Oespeler Geschichte: "1417 brandschatzten die Bürger von Hamm, die zu Adolf IV. von Kleve-Mark hielten und dessen Bruder Gerhard von der Mark Feind waren, nicht allein Tospelle, sondern auch Luttiken-Dortmunde und Marthen."
Als die Grafen von der Mark aufgrund einer allgemeinen Versteuerung im Jahre 1486 ein Schatzbuch anlegten, das sogenannte "Schlatboik in Mark", wurde zur Landessteuer eingeschätzt in der Gemeinde Tuspell hiernach 13 große und 8 kleine Höfe, die Abgaben in Gulden entrichteten. 1512 gingen die Grafschaften, Herzogtümer und Veste in den Niederrheinisch-Westfälischen Reichskreis auf, der sich von Flamen bis zur Nordsee bei Cuxhafen erstreckte.
Um 1590 fielen die Spanier unter Oberst La Barlotta ein. Sie "übten sonsten große Tyrannei und Mutwillen an Manns- und Weibspersonen mit Morden und Schänden".

Die Umwandlung des Namens zu Oespel erfolgte nach 1609, mit der Teilung des Reichskreises und dem Aufgehen der Grafschaft Mark in das Haus Brandenburg-Preußen.
Eine weitere schicksalsreiche Aera stellt für Oespel der 30-jährige Krieg (1618-1648) dar. Kaiserliche Truppen plünderten 1628 den Nachbarort Stockum und fielen auch in Oespeler Höfe ein, zu dieser Zeit noch ein Glaubenskrieg gegen "abtrünnige Protestanten". Nach der Belagerung durch holländische Truppen 1635 wurden diese durch kaiserlichen Truppen 1636 vertrieben. Die größte Zahl an Opfern brache 1637 die Pest, bei der jedoch in unseren Nachbarorten deutlich mehr Menschen ihr Leben lassen mussten. Der 30-jährige Krieg endete 1648 mit dem Westfälischen Doppelfrieden zu Münster und Osnabrück und beurkundete die Gleichberechtigung der Konfessionen.

Von 1654 existiert eine Feuerstättenverordnung für das Oberamt Bochum, die über bestehende Oespeler Höfe und Häuser von 20 Gebäuden und einigen Kötterhäusern Aufschluss gibt, die insgesamt 29 Feuerstellen aufwiesen. Es waren die drei Erbhöfe Wulff, Ostermann (Middelschulte) und Hagemann sowie die Höfe Schulte (Vieseler-Schulte), Bockholt, Westermann, Winkelmann (Göckenjahn) u. a. Gutsherren, an die Pacht zu entrichten war, waren die Klöster St. Catharina zu Dortmund, das Marienborn zu Lütgendortmund, das Schwartze Kloster zu Dortmund, die Kirche zu Langendreer und die Schule zu Dortmund. Weiterhin wird im Backhaus auf dem Köttingschen Overhoff ein "Feldweibel welcher Schul hält" genannt. Hier wird erstmalig Oespeler Schuluntericht nachgewiesen.
Die erwähnten Kötterhäuser waren einfach, alles Wohnliche fehlte, und sie wurden in Nachbarschaftshilfe aufgebaut. Nach Fertigstellung fand eine Gebefeier als Zeichen der Dankbarkeit des Besitzers statt, aber auch als weitere Hilfe, da jeder nach seinem Vermögen Gelder oder Geschenke mitbrachte.


Grafschaft Mark

1666 wurde Oespel in der Preußisch-Westfäfischen Grafschaft Mark dem Hördischen Kreis zugeordnet und stellte die östliche Außengrenze des Verwaltungsbezirkes Bochum dar. Etwa zu dieser Zeit wurden auch im Dorney die ersten Kohlefunde nachgewiesen, wo eine nur wenige Meter dicke Mergelschicht das Kohlegebirge bedeckt. Dass man dort mit großem Risiko schürfte, beweisen Unglücksfälle, die im Sterberegister der evangelischen Kirche Lüttgendortmund zu finden sind: 29.1.1681 "Hindrich Greue zu Oespel todt im Kohlberg blieb", 1695 kam der "Bergmann Kruse dort zu Tode".
Das Lütgendortmunder Kirchenbuch von 1735 vermittelt Informationen über den damaligen Oespeler Schulmeister Kellermann, der im Schulhaus "Auf der Linnert" (heute Parkplatz der S-Bahn-Haltestelle Oespel) die Wohnung mit dem Sauhirten teilen musste. Ab 1741 waren über 100 Jahre mehrere Generationen einer Familie Wupper hier Lehrer. Sie waren Schreiber und Zeugen bäuerlicher Akten. Der siebenjährige Krieg (1756-1763 zwischen Frankreich/Österreich/Russland unter Ludwig XV. und Preußen/England unter Friedrich II.) führte 1759 zur Einquartierung französischer Truppen, die Felder verwüsteten und großen Schaden anrichteten. Mit dem Frieden von Hubertusburg feierte die Gemeinde Lütgendortmund mit seinen umliegenden Gemeinden ein großes Friedensfest.
1771 genehmigt Kaiser Friedrich der Große die Teilung der Oespeler Marken-wälder, um größere Einkünfte zu erzielen.
1806 wurde das Gebiet durch napoleonische Truppen belagert. Auf seiner Durchreise habe Napoleon im "Roten Haus" in Marten genächtigt. Der Frieden von Tilsit am 7.7.1807 zwischen Frankreich und Russland an der Demarkationslinie auf der Memel beinhaltete das Gesetz der Bauernbefreiung von der Gutsuntertänigkeit. Die Bauern wurden Eigentümer von Hof und Grund, Abgaben mussten sie dennoch entrichten. War das franko-russische Abkommen noch ein Abkommen unter Gleichen, hatte der mit Preußen zwei Tage später geschlossene Vertrag den Charakter eines Diktatfriedens. Zwar verhinderte die Intervention des Zaren die von Napoleon angestrebte endgültige Liquidation Preußens, doch wurde der Gebietsbestand um nahezu die Hälfte reduziert.
Die westelbischen Ländereien wurden dem neu gegründeten Königreich Westphalen einverleibt. Unter der Herrschaft von Napoleons Bruder Jerome zählt das Oespeler Gebiet nun zum Großherzogtum Berg, Departement Ruhr, Arrondissement (Bürgerrmeisterei) Dortmund. Damit verliert Dortmund auch seine Stellung als freie Reichs- und Hansestadt.
Nach der Rückeroberung durch Preußen in der Völkerschlacht von Leipzig 1813, wird die Region wieder zur Preußischen Grafschaft Mark, am 30.4.1815 dann zur Provinz Westfalen, Regierungsbezirk Arnsberg, 1817 nochmals unterteilt in den Landkreis Dortmund, Bezirk Lütgendortmund.
1826 entsteht das "Urkataster", ein Verzeichnis sämtlicher Grundstücke im Bezirk Lütgendortmund. Die Gemeindekarte Ospels von 1826 zeigt eine Besiedlung von ca. 50-60 Häusern mit 350 Einwohnern. Den Grundriss des Dorfes bildet ein Viereck von der heutigen Borussiastraße bis zum Schultenhof und von der Overhoffstraße bis zur Linnert/Ewald-Görshop-Straße.

Oespel 1827

Der bäuerliche Charakter der Ortschaft Oespel änderte sich mit einsetzender Industrialisierung im 19. Jahrhundert. Im Waldgebiet Dorney wurden schon immer die dort zu Tage tretenden Kohleflöze ausgebeutet. Erste Tiefbauzechen wurden dann um 1850 mit der Zeche Germania am Schnittpunkt von Oespel, Marten und Lütgendortmund errichtet. Im Jahr 1856 veränderte sich das Bild mit Errichtung der Zeche Borussia (ab 1911 Zeche Oespel) schlagartig. Am westlichen Ortsrand ragten Fördergerüste auf, schwarzer Qualm stieg gen Himmel, Bergmannssiedlungen entstanden und das Leben der Menschen richtete sich nicht mehr allein nach dem Wechsel der Jahreszeiten, sondern auch nach den Sirenen der Zechen, in denen die Bergleute in drei Schichten Kohle förderten. Da der Hauptschacht sich näher an Kley als an Oespel befand (heutiges IKEA-Gelände bis zum Kleyer Weg), entstanden die Bergmannssiedlungen, wie z.B. die "Kolonie Borussia", auf Kleyer Gebiet. In Oespel dagegen wurden nur einzelne Bergmannskotten dort gebaut, wo zwischen den bäuerlichen Gehöften gerade Platz war.
Daneben wurden auch leer stehende Häuser aufgekauft und für die Arbeiter instandgesetzt. Somit hat der Kohlenbergbau das Bild des alten Ortskerns nur gering beeinflußt, trotz des relativ raschen Wachstums am südlichen und östlichen Ortsrand. Zeitgleich bekamen die Zechen eine Anbindung an das Eisenbahnnetz der Rheinischen Eisenbahnen und mit den neuen Arbeitsplätzen kamen neue Bürger aus benachbarten westfälischen Gebieten, Hessen, Thüringen, Ost- und Westpreußen. Sie siedelten sich vorwiegend im Bereich zwischen den Zechen an, der heute noch als "Station" bekannt ist (Steinhammerstraße).
Bei der sprunghaft angewachsenen Bevölkerung baute man 1875 gegenüber des alten Schulhauses "Auf der Linnert" die "evangelische" Wilhelmschule (heute Grundschule "Auf der Linnert") mit vier Klassenräumen und zwei Lehrerwohnungen, später eine "weltliche" Volksschule. Mit der "katholischen" Borussiaschule wurde 1894 eine weitere Schule eingeweiht in die 104 Schüler umzogen, die ab 1887 in einer alten Küferwerkstatt an der Steinhammerstraße untergebracht waren. Diese befand sich an der Borussiastraße (heutiges Real-Gelände gegenüber Vosswinkel).

Die ältesten Gräber der Bauerndynastien auf dem Oespeler Friedhof datieren mit 1890 (Bockholt), 1892 (Ostermann-Middelschulte), 1894 (Kötting) und 1896 (Paßmann) vom Ende des 19. Jahrhunderts.
Am 30.5.1901 wurde in der Orstmitte Oespels der Grundstein für die evangelische Kirche gelegt, die am 24.7.1902 eingeweiht werden konnte. Eine selbständige Kirchengemeinde gab es aber erst ab dem 15.8.1907. Für die katholische Gemeinde stand mit der Herz-Jesu-Kirche an der Engelbertstraße ab 1907 ebenfalls ein Gotteshaus zur Verfügung.

Wurde in den ersten 50 Jahren die Förderleistung der Zechen verdoppelt, verdreifachte sich von 1910 bis 1930 sogar die Menge auf 618.000 t. Auffällig ist jedoch ein starker Abfall im Jahre 1906 aufgrund zeitweiser Stillegung nach einem Brandunglück am 10.7.1905. Das sagt aber nichts über das Leid aus, das duch den Tod von 39 Bergleuten über die Bevölkerung kam, zumal nur 14 Tote zutage gefördert werden konnten, während die anderen 25 erst nach knapp einem Jahr geborgen werden konnten. 17 dieser Opfer ruhen auf einem gemeinsamen Grab des Oespeler Friedhofs. Die Kleyer Brandschachtstraße erinnert heute noch an das schwerste Grubenunglück der Zeche.

Der 1. Weltkrieg (28.7.1914-11.11.1918) forderte bei der männlichen Bevölkerung Oespels zahlreiche Opfer, die in kriegerischen Auseinandersetzungen gefallen sind. Auch die Bauernschaft Oespels wurde stark dezimiert: z.B. sind Gustav Bockholt, Heinrich Kötting II., Wilhelm Ostermann und Wilhelm Paßmann in den Kriegswirren gefallen. Nach Streitiggeiten über Reparationszahlungen des Versailler Vertags musste auch Oespel die Ruhrbesetzung (Januar 1923-Juli 1925) durch französische Truppen über sich ergehen lassen.
Die Gemeindereform der Weimarer Republik brachte am 1.4.1928 neue Verwaltungszu-ständigkeiten. Die Landkreise Dortmund und Hörde wurden aufgelöst und mit ihren Bezirken und Gemeinden in die Stadt Dortmund eingemeindet. Vortan ist Oespel ein Dortmunder Vorort an der Grenze zum Wittener Vorort Stockum, der zuvor dem Amt Langendreer unterstand. Zahlreiche Straßennamen mussten geändert werde, da diese bereits an anderer Stelle im Dortmunder Stadtgebiet vorhanden Waren: Aus Friedrichstraße wurde "Am Schultenhof", aus Kirchstraße "Borussiastraße", die Oespeler Straße, Stockumer Straße und Mühlenweg wurden zur "Ewald-Görshop-Straße" zusammengefasst, aus "Auf der Heide" wurde "In der Oeverscheidt", die Roonstraße bekam den Namen "Oespeler Dorfstraße", die Martener Straße nun "Overhoffstraße", die Südstraße hieß jetzt "Ruthstraße" und die Dorstfelder Straße "Wittener Straße".
1929 wurde der Oespeler Bach eingedämmt, neben dem Meilenbach an der Oeverscheidt einem von zwei Oespeler Bachläufen. Der Oespeler Bach tritt am Schultenhof zutage und verläuft in nördlicher Richtung. Er überschwemmte vorher oft das angrenzende Gebiet und schaffte so eine Sumpffläche, die wegen des hier vorkommenden Baumbestandes "Bierke" genannt wurde und im Winter ein Tummelplatz für die schlittschuhbegeisterte Jugend war.


Oespel 1930

In der Zeit des Nationalsozialismus wurde 1935 (mit dem Hintergedanken der patriotischen Motivation der Bürger) am Eingang zum Dorney das Mahnmal zu Ehren der gefallenen Soldaten des 1. Weltkriegs errichtet. Weiterhin entstand ab 1936 im Gebiet zwischen dem Dorfkern, dem Förderschacht Oespel II und dem Dorney eine sog. Ley-Siedlung, ein Siedlungstyp bestehend aus Einfamilienhäusern inmitten von Gärten. Man wollte darin Beamte, Arbeiter und Bergleute bodenständig machen, indem man die Miete als Abzahlung für ihren Besitz anrechnete, welcher nach einiger Zeit in ihr Eigentum überging (benannt nach Reichsorganisationsleiter und Minister Robert Ley). Diese Sieglung hatte in ihrem Zentrum einen Dorfplatz, der ursprünglich als zentraler Versammlungsort für Aufmärsche gedacht, dann aufgrund der Lebensmittelknappheit des 2. Weltkrieges den umliegenden Anwohnern, in Parzellen unterteilt, als zusätzliche Gemüsegärten diente, hinterher jedoch wieder als Grünfläche renaturalisiert wurde.
Aufgrund der industriellen Dichte der Region blieb auch Oespel im 2. Weltkrieg nicht verschont von englischen und amerikanischen Bombardements, direkten Opfern und Bürgern, die in diversen Kriegsschlachten fielen (vorwiegend im Kessel von Stalingrad). So fielen zahlreiche Bomben auf Oespeler Gebiet (ab und an werden bei Grabungsarbeiten noch Blindgänger gefunden), die evangelische Kirche und die Wilhelmschule wurden am 4.6.1941 bei Luftangriffen der Engländer stark beschädigt, in der Siedlung stürzte ein englischer Jagdbomber zwischen die Häuser, im Dorney musste ein amerikanischer Helikopter notlanden. Die Bürger mussten in Ihrer Hungersnot hamstern gehen oder im Luftschutzbunker am Förderschacht der Zeche Oespel II Zuflucht suchen. nach zunehmenden Angriffen begann die "Kinderlandverschickung": 333 Schüler, 119 Mütter, 62 Kleinkinder und 18 Erzieher aus Oespel, Kley und Somborn rollten mit einem Transport nach Stockach in Südbaden. Ihre Rückführung fand im Sommer 1945 statt. Noch heute erinnert ein kleines Kriegsgräberfeld auf dem Oespeler Friedhof an Verstorbene des 2. Weltkriegs.
Im "Ruhrkessel" einer Kesselschlacht, die im April 1945 im Ruhrgebiet und in Westfalen stattfand, der letzten großen Schlacht auf dem europäischen Kriegsschauplatz, nahmen am 10.4.1945 nach starkem Artilleriegefecht amerikanische Truppen Oespel ein, sie plünderten teilweise die letzten Wertgegenstände der Einwohner. Opfer dieses Gefechtes wurden u.a. der Landwirt Heinrich Bockholt und Hugo Heinrichs. Die Alliierten bemühten sich, die ausländische Zwangsarbeiter der Zechen so schnell wie möglich in die Heimatländer zurückzuführen. Am 7.6.1945 zogen die Amerikaner wieder ab, und die Engländer übernahmen die Besatzung. Etliche männliche Oespeler wurden zur Kriegsgefangenschaft überstellt.

Der Wiederaufbau zerstörter Eigentümer erfolgte in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts vielfach in Eigenleistung, Gärten und Felder dienten der Lebensmittel-versorgung und der dörflichen Expansion. Einzelhandel und Handwerk prägten fortan das geschäftliche Treiben in Oespel, Selbsthilfe und der Sinn nach dörflicher Gemeinschaft ließen die Kriegsschäden allmählich vergessen und gestalteten den Ort zu dem noch heute aktuellen Bild. 1954 wurde u.a. der völlig zerstörte Westflügel der Oespeler Schule wieder aufgebaut. Mit dem seit 1955 erfolgten Ausbau des Rheinlanddamms (B1) wurden zwei landwirtschaftliche Betriebe (Paßmann und Feldmann) aufgegeben, da sich die Anbauflächen so stark verringert hatten, dass eine Weiterbewirtschaftung unrentabel geworden wäre. Das verbliebene Ackerland übernahmen die anderen Bauern. In den Gebäuden des Paßmannschen Hofs richtete sich eine Möbelschreinerei ein und die Gebäude des Feldmannschen Hofs wurden im Zuge des S-Bahnbaus abgebrochen.

Als letztes Bergwerk von vieren auf Oespeler Gebiet (Zechen Borussia/Oespel, Planetenfeld, im weißen Feld und Oespel II) wurde die Zechen Oespel und Oespel II (Gebiet des heutigen Passmannweg/Brinksitzerweg) am 30.9.1962 stillgelegt. Das war der große Startschuss zur Umstrukturierung Oespels. Ab 1969 erwuchs auf dem Gelände der Zeche Borussia/Oespel mit dem "Indupark" ein attraktives, gut besuchtes Gewerbegebiet mit überwiegend angesiedeltem Einzelhandel in verkehrsgünstiger Lage zwischen B1/A40 und der Sauerlandlinie. Seit dieser Zeit dient Oespel der Bevölkerung vorwiegend als Wohn- und Schlafgebiet, als "Grüne Oase" im industriellen Ballungsraum mit dörflichen Charakter. Nur ca. 10% der Erwerbstätigen geht seiner Beschäftigung im Ort nach, die übrigen pendeln täglich zum Arbeitsplatz nach Dortmund, Bochum, Witten oder in andere angrenzende Vororte.

Nach Fertigstellung der Echeloh-Siedlung in Kley 1963/64 wurde ein neuer Schulbau dringend nötig. So entstand im Grenzgebiet der beiden Gemeinden 1965 die Hauptschule. Die beiden Volksschulen in Oespel und Kley dienen seit dem als reine Grundschulen. Angrenzend an den Dorney im Süden Oespels errichtete das CVJM einen Ausbildungs und Wohnpark für Jugendliche, das "Jugenddorf".
Östlich des Dorfkerns verläuft die Autobahn A45 "Sauerlandlinie" genannt. Der Landkauf für den Abschnitt zwischen dem Autobahnkreuz Dortmund-West und dem Westhofener Kreuz erfolgte 1967, bereits drei Jahre danach wurde dieser Abschnitt für den Verkehr freigegeben. Die Trasse schneidet direkt die Bebauung der heutigen Julius-Vogel-Straße, es musste aber kein Haus abgebrochen werden.
Mit dem 1968 begonnenen und 1971 fertig gestellten Bau der Kirche "Christus unser Friede" steht nun auch der katholischen Gemeinde zentral ein Gotteshaus zur Verfügung. Die Herz-Jesu-Kirche wird seit dem von der serbisch-orthodoxen Gemeinde als Glaubenszentrum genutzt, das alte Gemeindehaus dient buddhistischen Gläubigen nach Auflösung des katholischen Kindergartens als Gebetstempel und Begegnungsstätte.
Der Bau der S-Bahn-Trasse 1975 zwischen Dortmund und Düsseldorf durchschnitt das Ortsbild. Durch Oespel führt die S-Bahn als Hochbahn auf Betonstelzen und teilt somit den gewachsenen Ortskern. Zahlreiche Gebäude mussten den Baumaßnahmen weichen: Der Feldmannsche Hof, die "Alte Schule", der "Schützenhof", das "Hindermann-Haus", etc.

Im Rahmen des Schützenfestes wurde am 12.9.1982 anlässlich der 1100-Jahr-Feier Oespels am Dorfplatz ein Gedenkstein, die "Oespeler Steele", feierlich an den Bürgermeister Willy Spaenhoff übergeben.
Mit der Flächenbebauung in den 80er Jahren an der Kleybredde (Bildungswerk und Aula des Jugenddorfes, Freiwillige Feuerwehr, Altenbegenungsstätte) sowie der Siedlungserweiterung im Oespeler Westen in den 90ern (Umsiedlung Dorstfelder Bürger, von der Stadt Dortmund entschädigt, da ihre Häuser aufgrund toxischer Bodenbelastungen abgerissen werden mussten) wurden dann endgültig die Freiflächen zwischen Oespel und Kley geschlossen. Lediglich ein Grünstreifen neben der Hauptschule ist noch übrig geblieben. Mit der Verbindung des Induparks und des Technologiezentrums, dessen Ausläufer mittlerweile das östliche Ortsgebiet erreicht haben, durch den Ausbau der Brennaborstraße, verschwand Ende der 90er der zunehmend stärker werdende Durchgangsverkehr im Ortskern. Die Wittener Straße wurde im Oespeler Bereich zur Julius-Vogel-Straße (Oespeler Bürger und Bezirksvorsteher in den 80ern), im unteren Bereich am Ende der Oeverscheidt zum Sebrathweg (als Reminiszenz an einen der ersterwähnten Namen Oespels von 882).
Am 1. 8.1997 nahm das 65 Meter hohe Windrad "Airwin" an der Ortsgrenze zu Eichlinghofen seine Arbeit auf. Mit einem Rotordurchmesser von 40,3 Meter produziert es pro Jahr etwa 850.000 kWh Strom (das entspricht etwa dem Jahresverbrauch von knapp 300 Vier-Personen-Haushalten).

Dienen heutzutage die meisten der alten Gutshöfe als Wohngebäude und die Dreschgebäude als Garagen, Läger und Handwerksbetriebe, so wurde der Wulffshof 1999, nach jahrelanger Nutzung als sintertechnischer Betrieb, aufwendig restauriert und als exklusives Bürogebäude umgebaut.
Seit 2004 weist der Flächennutzungsplan der Stadt Dortmund den teilweise in Oespel gelegenen "Dorneywald" mit einer Fläche von 40,4 ha als Naturschutzgebiet aus. Die offizielle Bezeichnung lautet "Naturschutzgebiet Nr. 25 - Stadtbezirk Lütgendortmund".

Im September 2005 wurde erstmals auf der neuen Festwiese zwischen Brennaborstraße und Schultenhof das Schützenfest ausgetragen, das in den Jahren zuvor vier Mal den Standort wechseln musste. Das Planungsamt der Stadt Dortmund hat am 11.06.2007 einen Vorentwurf für die neue Oespeler Schleife an der S-Bahn veröffentlicht: Fläche ca. 70 x 35 m für 5 Haltepositionen mit Wartehäuschen, 25 P+R-Parkplätze, 2 Behinderten-Parkplätze, Baubeginn ca. Ende 2008, Bauzeit ca. 7 Monate. Für diese Maßnahme wurde vom benachbarten Hof Middelschulte ca. 500 qm Grundstücksfläche zugekauft.
Auf Initiative des BSV Oespel-Kley und Bestätigung der Genehmigungsfreiheit durch den Regierungspräsidenten in Arnsberg erhält Oespel am 18.10.2007 die Freigabe zur offiziellen Oespeler Flagge. Diese, von Roy Jasper entworfene Fahne, zeigt das Oespeler Wappen auf 3-fach horizontal geteiltem Hintergrund in grün, gold und schwarz. Die offizielle Präsentation mit Flaggenparade auf dem Vorplatz der Oespeler Kapelle erfolgt im Rahmen des Adventsmarktes am 9.12.2007.
Nach vorbereitenden Planierungsarbeiten erfolgte am 7.11.2007 der offizielle erste Spatenstich für den Neubau der Grundschule Oespel/Kley an der Kleybredde, direkt neben der Hauptschule. Der dreigeschossige Schulbau erfolgt in Fertigmodulbauweise und soll über eine Fläche von 2.600 m verfügen. Der Bau soll Anfang August 2008 fertig gestellt sein.

Oespel im Wandel der Geschichte – Eine chronologische Zeitreise von 1125 Jahren, Roy Jasper, 2007 Oespel hat eine Gesamtfläche von 414,6 ha, einen Höhenunterschied von 57,5m (85m –142,5m ü.NN) befindet sich auf den Koordinaten 51°29’11” N / 7°22’55” O und hat 4.326 Einwohner (Stand 31.12.2007). Der Anteil der Bürger mit Migrationshintergrund beträgt 5,0%, die Erwerbslosenquote 7,7%.



Quelle: "Oespel im Wandel der Geschichte – Eine chronologische Zeitreise von 1125 Jahren", Roy Jasper, © 2007




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